← Menü
GNU/Linux.ch

Ein Blick auf die Pebble Time 2

Quelle: GNU/Linux.ch

Ein kleiner Erfahrungsbericht zur neuen Pebble Time 2 Smartwatch.

Ich hatte einmal eine Smartwatch von Garmin mit vielen Funktionen. Irgendwann habe ich aber entschieden, dass ich einem „Big Tech“-Unternehmen keine persönlichen Daten schenken will. Seitdem trug ich wieder eine recht einfache Armbanduhr. Aber so ganz ohne Infos (Benachrichtigungen, Schrittzähler, Herzfrequenz, …) fand ich auch doof. Meine Suche nach einer nicht zu überladenen Smartwatch, die gerne auch eine Open Source Firmware verwenden soll, endete bei der Pebble Time 2 von Core Devices.

Pebble? Da war doch was …

Genau. Lioh hat in ihrem Artikel ja schon über die (alte) Pebble Time berichtet. Nachdem die Pebble Technology Corporation 2016 Insolvenz anmelden musste, kam die Pebble Firmware, PebbleOS, über Umwege (sprich, Fitbit) zu Google. Diese wiederum haben den Quellcode von PebbleOS im Januar 2025 als Open Source veröffentlicht. Daraufhin hat Pebble-Gründer Eric Migicovsky mit seiner neuen, kleineren Firma Core Devices zwei neue Uhren vorgestellt. Diese ähneln sehr stark den Modellen von vor 10 Jahren und versprühen daher wieder den unverwechselbaren Pebble-Charme.

Von den beiden Uhren, Pebble 2 Duo und Pebble Time 2 gibt es aktuell nur noch die Time 2. Die 2 Duo wurde eingestellt, was wohl auch damit zusammenhängt, dass sie teilweise aus Materialien aus alten Lagerbeständen gebaut wurde. Mit der Pebble Round 2 gibt es mittlerweile jedoch ein weiteres Modell, das ein rundes Design, jedoch keinen Herzfrequenzsensor hat. Somit sind weiterhin zwei Modelle verfügbar.

Jedenfalls habe ich mir solch eine „PT2“ vorbestellt (Aug. 2025). Nun ist sie angekommen (Jun. 2026) und ich möchte sie im Folgenden kurz vorstellen.

Eigenschaften

Zunächst einmal die harten Fakten zur Pebble Time 2. Die Specs kann man hier nachlesen. Ich liste sie hier etwas gekürzt auf:

  • Display: 1,5”, 64 Farben (Es wird als E-Paper Display bezeichnet, ist aber nicht zu verwechseln mit den eInk-Displays, die man von E-Readern kennt.)
  • Auflösung: 200x228 Pixel, 202 DPI
  • Touchscreen (wobei die Touchfunktionen derzeit noch in Entwicklung sind.)
  • Metallgehäuse
  • Akkulaufzeit: Derzeit ca. 20 Tage (evtl. 30 Tage perspektivisch)
  • Wasserbeständigkeit: IPX8
  • Sensoren für: Schritte, Herzfrequenz, Schlaf
  • Ebenfalls vorhanden: Mikrofon und Lautsprecher, die aber derzeit noch nicht wirklich genutzt werden.
  • Abschraubbare Rückseite

Der Preis liegt bei $225. Ein teures Vergnügen, zumal noch Versand, Steuern und Zoll dazu kommen.

Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt, das ist sie:


Die Pebble Time 2 in einer Ladehalterung

PebbleOS

Wie schon erwähnt handelt es sich bei PebbleOS um Open Source. Der Quellcode kann auf GitHub abgerufen werden.

Verglichen mit den hochglanzpolierten Smartwatch-Betriebssystemen aus den Häusern Apple, Google, Garmin und Co. versprüht PebbleOS eher einen leicht spröden, nostalgischen Charme. Viele Watchfaces, also Zifferblattoberflächen, die meist aus der Community beigesteuert werden, tun ihr Übriges dazu. Dennoch macht Pebble(OS) eigentlich genau das, was ich möchte: Es zeigt die Zeit an. Es zeigt Benachrichtigungen an. Es zeigt ggf. weitere Informationen (Schritte, Herzfrequenz, Wetter, …) an. Nach Lust und Laune kann man sich die Watchfaces aussuchen, die einem die gewünschte Menge an Daten einblenden. Die Bedienung der Uhr ist dabei extrem übersichtlich und übrigens nach wie vor auf Tastenbedienung ausgelegt, auch wenn die PT2 ein Touchdisplay hat.

Die Tastenbedienung:

  • Taste links oben: Zurück
  • Taste rechts oben: Ruft vom Zifferblatt aus weitere Informationen auf, wie z.B. Schritte, Herzfrequenz, Schlaf usw. und blättert nach oben.
  • Taste rechts Mitte: Ruft vom Zifferblatt aus die Einstellungen auf bzw. bestätigt eine Auswahl.
  • Taste rechts unten: Ruft vom Zifferblatt aus die Timeline/den Kalender auf bzw. blättert nach unten.

Diese Standardeinstellungen zu den Tasten kann man teilweise ändern. Außerdem lassen sich durch langes Drücken von Tasten auch direkt die Lieblingsfunktionen aufrufen. In der Pebble App kann man diese Einstellungen recht bequem festlegen.

Zusammenspiel mit Smartphones

Für Android und iOS hat Core Devices eine App entwickelt, die ebenfalls Open Source (jedoch für Android-Anwender nicht auf F-Droid verfügbar) ist.


Die Pebble App (Android)

Man kann die Uhr also mit der App koppeln und diverse Einstellungen festlegen. Unter anderem, von welchen Apps Benachrichtigungen auf die Uhr weitergereicht oder welche Watchfaces installiert werden sollen. Auch kann man sich Gesundheitsdaten (Schritte, Schlaf etc.) anzeigen lassen. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass diese Funktionen nicht das Hauptaugenmerk von Core Devices sind und deren Auswertung sicherlich (noch) nicht optimal ist. Außerdem muss man sich für die Health-Funktion in der App mit seinem Pebble-Konto anmelden, und das geht auch nur über Authentifizierung per OAuth der Big Tech-Konten (Google, GitHub, …). Übrigens, anscheinend können die gesammelten Gesundheitsdaten mit Apple Health bzw. Google Fit synchronisiert werden, die App enthält eine Einstellung “Sync to Health Connect”. Das habe ich nicht aktiviert, und mir ist auch nicht klar ob/wie das etwa bei einem entgoogelten Smartphone funktionieren sollte (abgesehen davon, dass man das wahrscheinlich auch gar nicht machen will). Erwähnen wollte ich es trotzdem.

Eine Alternative zur offiziellen Pebble App ist die auch über F-Droid verfügbare Gadgetbridge. Informationen zum Pairing mit einer Pebble, die von Gadgetbridge gut unterstützt wird („highly supported“), können hier nachgelesen werden.

Eine weitere Alternative ist microPebble. Die App verwendet die offizielle libpebble3 Library und stellt ebenfalls die wichtigsten Funktionen bereit.

Erster Eindruck

Da ist sie also endlich, die Pebble Time 2.


Die Pebble Time 2 in der (plastikfreien) Verpackung

Sie kommt in einer schicken, aber erstaunlich kleinen Verpackung daher. Darin enthalten sind nur die eigentliche Uhr sowie ein kleiner Ladeadapter. Das Armband kommt in einer eigenen kleinen Schachtel. Ich habe allerdings gleich ein anderes Armband angebracht; man kann jedes mit 22 mm Breite verwenden.

Nach dem Koppeln mit dem Smartphone möchte die Pebble auch gleich ein Firmwareupdate machen. Die Ersteinrichtung ist einfach; das Meiste lässt sich bequem über die Smartphone-App erledigen. Da die beiden Standard-Watchfaces doch etwas karg sind, kann man sich gleich auf die Suche nach Alternativen machen. Neben „Quartz“ gefallen mir beispielsweise auch „TimeStyle“ (siehe Foto oben im Bereich „Eigenschaften“) oder auch „BlockSlide“ sehr gut.


Die PT2 mit „Quartz“-Watchface

Nach wenigen Minuten findet man sich bei der Bedienung gut zurecht. Über die Genauigkeit von Schrittzählung und Herzfrequenz kann ich nichts Definitives sagen; plausibel erscheinen mir die Werte jedenfalls. Die Einschlaf- und Aufwachzeiten hat die Uhr ebenfalls recht gut erkannt, ob die Schlafphasen stimmen kann ich leider ebenfalls nicht wirklich beurteilen.

Zum Erscheinungsbild der Uhr kann ich sagen, dass sie deutlich wertiger aussieht (und sich auch wertiger anfühlt) als ich im Vorfeld befürchtet hatte. Das Display lässt sich bei normalem Tageslicht recht gut ablesen, man darf aber nicht die Kontraststärke eines eInk Displays erwarten. Durch Schütteln des Handgelenks und/oder Drücken einer Taste bzw. Doppel-Touch lässt sich die Hintergrundbeleuchtung aktivieren. Auch hier lässt sich einiges einstellen, insbesondere die Farbe der Hintergrundbeleuchtung.

Aus Neugier habe ich mich auch kurz mit dem Pebble SDK beschäftigt. Daher bauen wir in einem weiteren Artikel zusammen ein (simples) Watchface, also eine Ziffernblatt-App. Dank der guten Dokumentation ist das einfacher als gedacht. Spoiler: Das Watchface entbehrt nicht eines gewissen Wiedererkennungseffekts für GNULinux.ch-Leser. 🙂

Pro und Contra

Zusammenfassend lauten meine persönlichen Pro- und Kontrapunkte wie folgt:

Pro:

  • Es ist eine Pebble! :)
  • Vernünftige, aber nicht übertriebene Funktionsvielfalt
  • Kein Datenabfluss an Big Tech
  • PebbleOS + Android App sind Open Source
  • Apps können relativ einfach programmiert werden (es gibt ein SDK)
  • Abschraubbare Rückseite (falls man mal den Akku wechseln muss)
  • Leichter Retro-Charme

Kontra:

  • Teuer (alles zusammen > 300 €)
  • Display nicht so knackig wie mit AMOLED
  • Vereinzelt Berichte über (durch Anstoßen) kaputt gegangene Displaygläser
  • Lediglich 30 Tage Garantie
  • Leichter Retro-Charme

Fazit

Die Pebble Time 2 ist nicht für jedermann. Wer coole Features, Kartennavigation, AMOLED und Co. haben möchte ist bei den Pebble-Uhren falsch. Wer eine einfach bedienbare, leicht nerdig angehauchte Uhr haben möchte, die sinnvolle, aber nicht zu viele Funktionen bietet, der darf ruhig zugreifen. Und wer möchte, kann mit wenig C und/oder JavaScript-Kenntnissen eigene Apps und Watchfaces dafür bauen.

Quellen:

  • Informationsquellen, weiterführende Links etc. sind direkt im Artikel verlinkt
  • Titelbild: https://repebble.com/watch (mit freundlicher Genehmigung)
  • Sonstige Bilder im Artikel: Autor
Gelesen...