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GNU/Linux.ch

Highspeed auf der Tastatur mit Tipp10

Quelle: GNU/Linux.ch

Lohnt sich in der heutigen Zeit noch ein Tastaturlernprogramm? Man kann doch einfach in ein Mikro sprechen - fertig. Falls aber doch: Ist der Klassiker "Tipp10" eine gute Wahl? Schauen wir mal, was das Programm so kann.

In den letzten Jahren ist oft zu hören, dass die Sprache-zu-Text-Funktionen der verschiedenen Betriebssysteme immer perfekter werden und es sich nicht mehr lohne, eine Tastatur systematisch zu beherrschen. Tatsächlich spreche auch ich auf Smartphone oder -watch bevorzugt die kurzen Texte ein für Messenger, Einkauflisten usw. Bei längeren Texten würde mich das aber viel zu sehr ablenken - ich müsste mich ja dann auf das Sprechen konzentrieren und könnte nicht gleichzeitig "weiterdenken". Mal ganz abgesehen von Kontexten wie Büro, Café oder Zug, die diese Art der Eingabe meist ohnehin nicht erlauben. Ideal ist es, wenn man "blind" schreiben kann. Dadurch muss man sich, ähnlich wie bei einer Autofahrt, nicht auf die mechanische Tätigkeit konzentrieren, kann zuhören oder schon über den nächsten Satz nachdenken.

Überblick

Wer in das 10-Finger-Tastensystem eintauchen oder seine Geschwindigkeit verbessern möchte, wird rasch auf den Open-Source-Klassiker Tipp10 stoßen, den es für Linux, Windows, MacOS und in einer Online-Variante gibt. Übungstext und Anschläge werden auf einer eingeblendeten Tastatur angezeigt, wodurch automatisch der Blick eher auf dem Monitor denn auf dem Keyboard ruht.

 

Ein Teil beschäftigt sich mit den gängigen Übungen für Einsteiger - aa, kk, mm, usw. Aber es gibt auch eine Reihe von recht interessanten Übungstexten für Fortgeschrittene. Und man kann eigene Text einfügen (wie in meinen Beispiel-Screenshots mit der Erzählung über den Linux-Nerd, der seine große Liebe findet):

Modus "Intelligenz"

Gemeint ist mit der Bezeichnung "Intelligenz" ein adaptiver Modus, der die Anzeige des Übungstextes den Fehlern des Tippenden adaptiv anpasst. Sätze, Begriffe oder Zeichen, die eine besonders hohe Fehlerquote haben, werden öfter eingeblendet.

Dieser Modus ist bei den Grundübungen ohnehin aktiv. Bei den längeren Übungstexten kann man ihn deaktivieren, damit der Lesefluss nicht gestört wird.

Auswertung

Um Fortschritte korrekt einschätzen zu können, bedarf es mehr Informationen als die pure Anschlagszahl pro Minute. Auch darin ist Tipp10 gut: Es gibt eine Reihe von Auswertungsmöglichkeiten. Darunter sogar eine Statistik, welcher Finger besonders "fehlerbehaftet" ist.

Besonders interessant als Maßstab für den eigenen Fortschritt ist in der "Lektionsübersicht" die Spalte "Bewertung":

Bei diesem Wert geht es nicht nur um die Anschlagsgeschwindigkeit, auch die Fehlerhäufigkeit wird einbezogen. Bei einem regelmäßigen Training wird man eine deutliche Verbesserung dieses Wertes feststellen können.

Übrigens: Ein kleines Spiel ist auch dabei, was für jüngere Tastenschreiber sicher interessant ist.

Fazit

Aus meiner Sicht lohnt es sich auch heute noch, auf einer Tastatur - weitgehend - blind schreiben zu können. Ich stelle das besonders bei meinen Kolleg:innen im Journalismusbereich fest. Viele sind mit ihrem selbsterlernten Zwei-bis-vier-Finger-System Fingern ähnlich schnell wie ich unterwegs. Aber ich kann in Besprechungen oder bei Stadtratsitzungen Personen anschauen oder das Geschehen weiter verfolgen, während ich mir Notizen mache. In meinen guten Jahren hatte ich eine Anschlagzahl von 380 bis 400 Zeichen pro Minute, heute sind es noch ca. 330 bis 350. Zusammen mit den vertrauten Anschlagsklängen meiner mechanischen Tastatur führt das oft zu einer sehr entspannten Texterfassung. Wenn mir nicht gerade eine Deadline im Nacken sitzt ... :-) 

Bildnachweis:
Titelbild und Screenshots vom Artikelautor.

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