← Menü
GNU/Linux.ch

Location, Location, Location

Quelle: GNU/Linux.ch

Google und andere Anbieter fragen den genauen Standort ab, auch wenn man dies im Browser deaktiviert hat. Wie du das verhindern kannst, erkläre ich dir hier.

Was ich hier beschreibe, habe ich vor einigen Tagen am Computer erlebt und es hat mich sowohl in Staunen versetzt als auch erschrocken. Ich nutze am PC den Firefox Browser, ausgestattet mit diversen Add-Ons wie uBlock Origin, den Privacy Badger und CookieBlock. Ausserdem habe ich in den Einstellungen wichtige Privatsphäre Regeln definiert. Damit es für euch einfacher ist, habe ich dies bereits einmal in einem Video dokumentiert.

Der Computer hat kein GPS und so kann der Standort eigentlich nur anhand der IP-Adresse ermittelt werden. Diese zeigt auf den Standort meines Providers, in meinem Fall auf den schönen Ort Lupfig im Kanton Aargau in der Schweiz. Für euch könnt ihr das ebenfalls prüfen, in dem ihr eine Geolocation-Datenbank abfragt. Die Ergebnisse gelten als 95 % akkurat und ich kann dies aus meiner Erfahrung heraus bestätigen.

Soweit so gut, dies sollten die maximalen Informationen sein, die eine Webseite über mich ermitteln kann, sofern ich kein VPN verwende, das meinen Standort verschleiert.

Umso erstaunter war ich, als ich auf Google Maps gesurft bin und die Webseite meinen richtigen Standort mit sehr hoher Genauigkeit erkannt hat. Dabei wurde ich weder vom Browser gefragt, ob ich den Standort freigeben möchte noch wurde mir ein Hinweis angezeigt, wie denn mein Standort so detailliert ermittelt werden konnte.

Auch eine Nachfrage bei meinem Provider ergab keine Klarheit, immerhin bestätigte dieser mir, dass von dessen Seite keine Weitergabe von Standort-Daten an Google oder andere Anbieter erfolgt.

Ich war also ratlos. Wie konnte das passieren? Die einzige Möglichkeit, die ich mir vorstellen könnte, wäre, dass die Webseite in irgendeiner Form an die umliegenden WLAN-Netzwerke gelangt. Damit lässt sich der Standort immerhin sehr genau ermitteln und das ist auch der Grund warum ich persönlich an meine WLAN-Netzwerknamen (SSIDs) immer ein _nomap anhänge, damit keine Datenerfassung erfolgt. Es ist übrigens ein Trugschluss zu glauben, dass die WLAN-Netze von Google-Fahrzeugen erfasst werden. Das war vielleicht in der Vergangenheit einmal der Fall. Heute jedoch trägt jede_r Android-Nutzer zur Erfassung mit bei, sofern in den Einstellungen nicht die Punkte "WLAN Suche" und "Bluetooth Suche" deaktiviert sind. Wer von euch am Handy eine Karten-App wie Co-Maps verwendet und diese Funktionen einmal deaktiviert hat, weiss wie ungenau die Standortermittlung wird.

Mir war aber immer noch nicht klar, wie ich die Standortübermittlung an Google verhindern kann, oder was diese genau diese auslöst. In den Einstellungen vom Firefox habe ich sogar unter Datenschutz und Sicherheit / Berechtigungen / Standort den Punkt "Neue Anfragen für den Zugriff auf den Standort blockieren" gesetzt. Ohne Auswirkungen. Zumal der Browser ja vor der Standortübermittlung nicht mal fragt, ob dies gestattet werden soll. Die Daten werden einfach ungefragt im Hintergrund übertragen.

Als Nächstes habe ich versucht in den erweiterten Einstellungen (about:config in der Adressleiste eingeben) die Punkte geo.enabled auf false zu setzen und die geo.provider.network.url zu leeren, denn diese zeigt verdächtigerweise auf einen Geolocation-Server von Google!

All diese Versuche waren leider erfolglos. Google, und meiner Erfahrung nach nur Google konnte dennoch meinen Standort genauer ermitteln als alle Anderen. Webseiten wie der KI Chatbot Perplexity nutzen auch ungefragt den Standort um "bessere Ergebnisse" liefern zu können, doch dort wurde dort der Standort anhand der IP-Geolocation ermittelt.

Nach einiger Recherche, als ich schon fast kapitulieren wollte (Nein, das mache ich nicht!) habe ich das Spoof Geolocation Add-on für den Firefox gefunden.

Damit ist es möglich, einen Fake Standort zu setzen und diesen zu übertragen. Laut der Add-on-Dokumentation befüllt das Plugin das "navigator.geolocation" Objekt mit dem Fake Standort und überträgt dieses an die Webseite.

Nachdem ich Spoof Geolocation eingerichtet habe, wurde mir dann endlich auch in Google Maps der gefakte Standort angezeigt und das Symbol der Erweiterung wurde blau. Man kann sich das Symbol auch an die Adressleiste anpinnen. Dazu muss man nur auf das Puzzleteil klicken und "An Symbolleiste anheften" wählen.

Noch besser ist es aber, wenn man die Standortübermittlung ganz verweigert. Dazu klickt man auf das Erweiterungssymbol und deaktiviert den Haken bei "Share Location".

Das hat noch den schönen Nebeneffekt, dass bei jeder Standortanfrage das Add-On-Symbol rot wird. Ihr werdet überrascht sein, wie viele Webseiten den Standort abfragen, ohne euch darüber zu informieren.

Die Nutzung des Standortes kann durchaus sinnvoll sein, zum Beispiel am Handy bei der Verwendung einer Freien Karten-App wie Co-Maps. Aber auch hier möchte ich entscheiden welche App den Standort wie lange verwenden kann und standardmässig möchte ich den Standort mit keiner App oder Webseite teilen.

Bei dem Freien Android Custom-ROM /e/OS ist das gut gelöst, denn dort ist Location-Spoofing bereits auf Systemebene integriert und ich kann einzelne Apps auswählen, mit denen ich meinen echten Standort teilen möchte.

In diesem Sinne, Location, Location, Location ist wichtig, aber bitte unter unserer eigenen Kontrolle.

Gelesen...