Der Online-Händler eBay zahlt 56 Millionen Dollar an ein Journalisten-Ehepaar, das Opfer einer bizarren Cyberstalking-Kampagne des Unternehmens wurde. Mit dem Vergleich umgehen der Konzern und ein Ex-Chef einen Zivilprozess.
Millionenvergleich nach Stalking
Der E-Commerce-Riese eBay und drei ehemalige Führungskräfte haben sich mit dem Journalisten-Ehepaar David und Ina Steiner auf einen Vergleich über 56 Millionen Dollar (etwa 49 Millionen Euro) geeinigt. Das Paar aus Massachusetts wurde im Jahr 2019 Opfer einer systematischen und vor allem auch bizarren Cyberstalking-Kampagne durch Mitarbeiter des Unternehmens. Ziel der Angriffe war es, die kritische Berichterstattung der beiden auf ihrem Nachrichtenportal EcommerceBytes zu stoppen.
Die damalige Sicherheitsabteilung des Konzerns versuchte, die Blogger massiv einzuschüchtern. Zu den Methoden gehörten anonyme Lieferungen von lebenden Kakerlaken, Trauerkränzen und einer blutigen Schweinemaske an die Privatadresse der Journalisten. Zudem planten die Täter, einen GPS-Sender am Auto des Ehepaares anzubringen. Das Vorgehen führte bereits in den vergangenen Jahren zu strafrechtlichen Verurteilungen von sieben beteiligten Mitarbeitern, die teilweise Haftstrafen verbüßen mussten.
Finanzielle Details der Einigung
Laut New York Times fließen 46 Millionen Dollar (etwa 41 Millionen Euro) an die Betroffenen. Weitere sechs Millionen Dollar (etwa 5 Millionen Euro) spendet das Unternehmen an gemeinnützige Organisationen. Auch Ex-Unternehmenschef Devin Wenig zahlt: Er überweist den Journalisten zwei Millionen Dollar (etwa 2 Millionen Euro) und spendet eine Million Dollar (etwa 879.000 Euro) an eine Stiftung für Pressefreiheit.
Wenig betonte in einer Stellungnahme, dass die Vorfälle im Geheimen und ohne sein Wissen stattgefunden hätten. Ermittler fanden jedoch Textnachrichten, in denen er seine Mitarbeiter anwies, Ina Steiner "aus dem Verkehr zu ziehen" ("take her down"). Seine Anwälte erklärten, das beziehe sich lediglich auf eine geplante Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit. Das Unternehmen selbst räumte einen unprofessionellen Ton in der damaligen internen Kommunikation ein.
Folgen für die Unternehmenskultur
Der Vorfall hatte weitreichende Konsequenzen für den Silicon-Valley-Konzern. Neben dem Imageschaden musste eBay bereits im Jahr 2024 eine Strafe von drei Millionen Dollar (etwa 3 Millionen Euro) an die US-Regierung zahlen. Um das Vertrauen wiederherzustellen, verpflichtete sich die Firma zur Veröffentlichung einer Erklärung gegen die Taten, zur Einführung strengerer Verhaltensregeln für Angestellte und zur Neubesetzung der Führungsebene.
Die Journalisten zogen ihre Klage nach der nun erfolgten Einigung formell zurück, wodurch ein für Anfang 2027 geplanter Zivilprozess entfällt. Für das Ehepaar stand nach eigenen Angaben nicht das Geld im Vordergrund, sondern die Aufklärung der Vorfälle. Sie wollten ein Zeichen setzen, dass auch Führungskräfte großer Konzerne für das Verhalten ihrer Sicherheitsabteilungen zur Verantwortung gezogen werden können.
Wie bewertet ihr das Verhalten des Unternehmens und die Höhe der Ausgleichszahlung? Teilt eure Gedanken zu dem Fall gerne mit uns in den Kommentaren.
Zusammenfassung
- eBay und Ex-Manager zahlen 56 Millionen Dollar nach Stalking-Kampagne
- Das betroffene Journalisten-Ehepaar wurde im Jahr 2019 massiv bedroht
- Mitarbeiter verschickten unter anderem Kakerlaken und eine Schweinemaske
- Sieben beteiligte eBay-Angestellte wurden bereits strafrechtlich verurteilt
- Der größte Teil der Millionensumme fließt direkt an das geschädigte Paar
- Durch die Einigung entfällt der für Anfang 2027 geplante Zivilprozess
Siehe auch:
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