Stand: 30.07.2026 • 13:52 Uhr
In der Demokratischen Republik Kongo sind inzwischen mehr als 1.500 Menschen an Ebola gestorben. Die Infektionszahlen steigen so schnell wie noch nie - Experten warnen vor einer Ausbreitung und einer langen Dauer.
Die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo breitet sich weiter rasch aus. 1.521 Menschen sind seit Ende April nachweislich an dem Virus gestorben, wie die kongolesische Regierung mitteilte. Die Zahl der im Labor bestätigten Infektionen stieg auf 3.442 an.
Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer an Infektionen aus. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge könnte die tatsächlich Zahl der Infizierten zwei- bis viermal höher sein. Trotz Nachverfolgung von Kontaktpersonen ist bei den meisten Neupatienten nicht klar, wo sie sich angesteckt haben.
Den Behördenangaben zufolge liegt die Todesrate derzeit bei 44 Prozent - das bedeutet, fast die Hälfte aller nachgewiesenen Ansteckungen endet tödlich. Zudem steigen die Infektionszahlen so schnell wie noch nie zuvor bei einem Ebola-Ausbruch. "Dies ist der am schnellsten wachsende Ebola-Ausbruch aller Zeiten", sagte der stellvertretende Leiter des Welternährungsprogramms WFP, Carl Skau.
Experten fordern mehr Unterstützung
Vor diesem Hintergrund haben Experten zu einer massiven Ausweitung der Hilfsmaßnahmen aufgerufen. "Die Zahl der Fälle steigt exponentiell an und verdoppelt sich alle 20 Tage. Dies ist ein weitaus schnelleres Wachstum als der Ausbau unserer Hilfsmaßnahmen", sagte der UN-Ebola-Koordinator Julien Harneis.
"Wir müssen unsere Maßnahmen massiv verstärken, sei es bei der Versorgung mit Hilfsgütern, insbesondere mit Schutzausrüstung, Personal, medizinischem Fachpersonal und Logistikern", so Harneis. Eine frühzeitige Behandlung steigere die Überlebenschancen enorm.
Es seien dringend weitere Isolierbetten, noch mehr Kontaktnachverfolgung und ein massiver Ausbau bei der Aufklärung der Bevölkerung nötig, so der Berliner Epidemiologe und Ebola-Experte Maximilian Gertler. "Wenn das nicht in ausreichendem Maße geschieht, müssen wir gegenwärtig davon ausgehen, dass der Ausbruch sich noch sehr lange, mit Sicherheit im nächsten Jahr, fortsetzen wird und auch andere Länder in der Region erreicht werden können."
Bereits jetzt breitet sich das Virus immer weiter räumlich aus. Mittlerweile sind in fünf Provinzen Fälle bekannt, darunter direkt an der belebten Grenze zum Südsudan.
Bislang kein Impfstoff zugelassen
Der erste nachgewiesene Ebola-Patient starb Ende April in der ostkongolesischen Provinz Ituri, die an Uganda grenzt. Experten gehen jedoch davon aus, dass das Virus schon seit Februar in der Region grassierte.
Die Weltgesundheitsorganisation hatte Mitte Mai den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Für die für den Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Spezies des Ebolavirus gibt es noch keine gezielten Impfstoffe oder Medikamente. An der Universität Oxford laufen aktuell Tests zur Entwicklung eines Impfstoffs, dessen großflächige Nutzung jedoch noch Monate dauern wird, schätzen Experten.
Mitarbeitende der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichten, dass viele Erkrankte erst mit kritischen Symptomen in die Behandlungszentren kämen, wenn die Überlebenschancen gering seien.
Ebola wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen und löst ein hoch ansteckendes Fieber mit Durchfall, Blutungen und Organversagen aus.