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Niedrige Flusspegel: Mehrere Länder drosseln Produktion von Atomstrom

Autor: tagesschau.de Quelle: tagesschau.de
Blick auf das Kernkraftwerk Paks in Ungarn.

Niedrige Flusspegel Auch Rumänien und Ungarn drosseln Atomkraftwerke

Stand: 30.07.2026 • 21:25 Uhr

Wegen Hitze und ausbleibenden Regens sind die Pegel vieler Flüsse in Europa extrem niedrig. Das wird nicht nur für die Schifffahrt zum Problem, sondern auch für Atomkraftwerke. Denn die benötigen viel Kühlwasser - und das fehlt.

In mehreren europäischen Ländern ist die Produktion von Strom in Atomkraftwerken gedrosselt oder eingestellt worden. Grund sind die niedrigen Pegelstände von Flüssen und das deshalb fehlendes Kühlwasser. In Ungarn und in Rumänien wurden die Kernkraftwerke heruntergefahren. Auch in Frankreich wurden in dieser Woche Reaktoren wegen der hohen Temperaturen abgeschaltet.

Das AKW Cernavoda an der Donau verfügt über zwei Reaktorblöcke und ist das einzige Kernkraftwerk Rumäniens. Der erste Reaktor war vor einigen Tagen bereits abgeschaltet worden, nun folgte auch der zweite. Der Betreiber Nuclearelectrica verwies auf die vorgesehenen Verfahren "im Fall schwerer Dürre". Das Kernkraftwerk erzeugt normalerweise etwa ein Fünftel des Stroms in Rumänien.

Ungarn befürchtet Strom-Engpässe

Es ist das erste Mal, dass beide Blöcke wegen des niedrigen Pegelstandes der Donau abgeschaltet werden mussten. Der Fluss, der vom Schwarzwald aus durch zehn Länder bis zum Schwarzen Meer fließt, hat wegen fehlender Niederschläge und aufeinanderfolgender Hitzewellen seit Mai in einigen Abschnitten Rekordtiefstände erreicht - von einem Wasserstand von einem Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Werts war die Rede.

Auch das Kernkraftwerk Paks, dessen vier Reaktoren von enormer Bedeutung für die Stromversorgung Ungarns sind, liegt an der Donau. Dort werden alle vier Reaktorblöcke schrittweise abgeschaltet, wie Ministerpräsident Peter Magyar ankündigte. Bereits am Vortag war einer der Reaktoren in Paks wegen eines Mangels an Kühlwasser aus der Donau heruntergefahren worden. Die übrigen drei Blöcke sollen binnen der nächsten 24 oder 72 Stunden abgeschaltet werden.

Wasserkraftwerke in Österreich gedrosselt

Spätestens ab Montag könne es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen, sagte Magyar weiter. Man setze nun die Stromreserven des Landes ein und kümmere sich um Importe. Magyar rief die Bevölkerung dazu auf, Strom zu sparen.

Hintergrund für den Wassermangel in der Region sind mangelnde Regenfälle, aber auch zunehmend wenig Schmelzwasser von Gletschern. Auch an fast allen Zubringern zur Donau in Oberösterreich herrscht derzeit Wassermangel. In Österreich - wo es keine Atomkraftwerke gibt - sind Wasserkraftwerke davon betroffen. Viele der mehr als 4.000 Kleinwasserkraftwerke laufen nur mit bis zu 50 Prozent gedrosselter Produktion oder wurden ganz gestoppt.

Frankreich schaltet Reaktoren ab

Dass Atomkraftwerke Probleme mit dem Kühlwasser bekommen, ist in anderen Ländern schon häufig vorgekommen. Besonders betroffen ist Frankreich. Das Land setzt bei der Stromerzeugung in hohem Maße auf Atomkraft und ist gleichzeitig besonders stark von Hitzewellen betroffen.

Am Mittwochabend wurde dort nun einer der zwei Reaktoren des Kraftwerks Golfech rund hundert Kilometer nördlich von Toulouse abgeschaltet. Der Energiekonzern EDF hatte den Reaktor bereits zwischen dem 23. Juni und dem 3. Juli sowie vom 9. bis zum 27. Juli vom Netz genommen, um das Flusswasser der Garonne nicht zusätzlich aufzuheizen.

Auch Schiffsverkehr betroffen

Die niedrigen Pegelstände haben auch für die Fracht- und Urlauberschifffahrt Folgen, denn das Niedrigwasser schränkt den Schiffsverkehr ein. Kreuzfahrten auf der Donau von Passau nach Wien enden vorzeitig. Der österreichische Wasserstraßenbetreiber viadonau warnt auf seiner Webseite vor Stellen mit besonders geringer Wassertiefe.

Diese Woche blieb nahe dem rumänischen Donauhafen Cetate ein Kreuzfahrtschiff mit fast 240 Menschen an Bord in einer Sandbank stecken. Alle Passagiere konnten in Sicherheit gebracht werden. Frachtschiffe können nur noch teilweise beladen werden und fahren dadurch Verluste ein.

Auch der Rhein hat stellenweise historisch niedrige Pegelstände erreicht. Am Messpunkt Lobith an der deutsch-niederländischen Grenze sei "noch nie" ein tieferer Wasserstand registriert worden, erklärte das niederländische Wasser- und Infrastrukturministerium.

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