Stand: 30.07.2026 • 06:43 Uhr
Russland führt seinen Krieg gegen die Ukraine auch in unmittelbarer Nähe zu NATO-Staaten. In Rumänien schlugen schon mehrfach Drohnen ein. Die Regierung will das nicht mehr hinnehmen - und tritt gegenüber Moskau offensiver auf.
Es passierte am Samstag, den 25. Juli, gegen 8.30 Uhr Ortszeit. Der Videoclip des rumänischen Nachrichtenmagazins Observator zeigt eine kleine Rauchsäule am Himmel. Zu hören ist noch der F-16-Kampfjet der rumänischen Luftwaffe.
Unter dem Clip steht, dass der Kampfjet eine weitere Drohne abgeschossen habe, etwa zehn Kilometer westlich der Ortschaft Sfantu Gheorghe im Donaudelta, ganz im Osten Rumäniens, wo die Donau ins Schwarze Meer mündet, etwa 30 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt.
Laut dem rumänischen Verteidigungsministerium hat derselbe Kampfpilot innerhalb von weniger als 24 Stunden zwei Drohnen abgeschossen. Die erste am Freitagvormittag, deutlich weiter im Landesinneren, knapp 100 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bukarest.
Doch es sei nichts passiert, es habe weder einen Personen- noch einen Sachschaden gegeben, teilte der rumänische Präsident Nicusor Dan mit. "Wichtig ist zu betonen, dass das Gebiet unbewohnt war. Deshalb konnte auch der Pilot von oben nach unten schießen", sagte Dan in einem Statement vor Medienvertretern.
Ende Mai schlug eine Drohne in ein Wohnhaus in Galati nahe der ukrainischen Grenze ein. Rumänien machte Russland dafür verantwortlich.
Mehrere Drohnenabschüsse
Am Sonntag, den 26. Juli, gibt es dann einen dritten Drohnenabschuss - den dritten Tag in Folge, diesmal über dem Schwarzen Meer. Auch hier wird, außer der Drohne, nichts beschädigt. Am Montag überfliegt dann sogar noch eine vierte Drohne kurz rumänischen Luftraum und fliegt weiter in die Ukraine. Sie wird allerdings nicht abgeschossen.
Der rumänische Präsident Nicusor Dan meldete sich noch mal auf seiner Facebook-Seite zu Wort. Er schreibt, dass die rumänische Generalstaatsanwaltschaft ermittelt habe, dass es sich bei der ersten abgeschossenen Drohne um ein Gerät der iranischen Firma Shahed handle, eine Drohne, die vom russischen Militär im Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt wird.
Nicusor Dan schreibt: "Es ist unzulässig und unerträglich, dass die Russische Föderation weiterhin den Luftraum Rumäniens verletzt. Es ist gleichzeitig der Luftraum der NATO und der Europäischen Union. Solche Handlungen sind inakzeptabel und werden von uns und unseren Partnern sehr ernst genommen."
Russischer Botschafter einbestellt
Es folgte eine diplomatische Eskalation der rumänischen Interimsregierung. Rumänien wird derzeit nach dem Zusammenbruch der Regierungskoalition kommissarisch regiert. Interims-Außenministerin Oana Toiu bestellte den russischen Botschafter in Bukarest ein.
"Im Außenministerium wurden dem russischen Botschafter Drohnenteile und Untersuchungsergebnisse vorgelegt. Ich erinnere dabei an die öffentlichen Reaktionen der NATO. Sie haben die Unterstützung ihres Mitgliedslands Rumänien rund um die Uhr erneut bekräftigt. Wir lassen das illegale Eindringen in den rumänischen Luftraum nicht zu", sagte Toiu bei einer Pressekonferenz.
Zusätzlich zur Einbestellung des russischen Botschafters wurde ein weiterer russischer Diplomat des Landes verwiesen. Bereits Ende Mai war der russische Generalkonsul in der rumänischen Hafenstadt Constanta des Landes verwiesen und sein Konsulat geschlossen worden. Grund war damals der Absturz einer russischen Drohne in einem Wohngebiet, bei dem zwei Menschen verletzt wurden.
Rumäniens rote Linie ist überschritten
Rumänien war lange Zeit sehr zurückhaltend und hatte russische Drohnenüberflüge immer nur beobachtet. Doch die rote Linie scheint überschritten. Rumänien verteidigt sich und bekommt dafür auch schon länger Zuspruch von NATO-Generalsekretär Mark Rutte. "Wir können nicht akzeptieren, dass russische Drohnen in den europäischen NATO-Luftraum eindringen. Das ist unmöglich und deshalb müssen wir uns dagegen verteidigen", sagte Rutte bei einer NATO-Pressekonferenz.
Im rumänischen Fernsehsender B1 zeigte sich der rumänische Interims-Verteidigungsminister Radu Miruta ziemlich verärgert. Vor allem, weil der russische Botschafter kurz zuvor alles zurückgewiesen hatte und von "haltlosen Vorwürfen gegenüber seinem Land" sprach.
"Bitte keine Ablenkungsmanöver"
Miruta sagte: "Der Herr Botschafter möge uns bitte keine Ablenkungsmanöver auftischen. Wenn er oder Wladimir Putin behaupten, die Drohnen stammen nicht aus Russland, dann geben wir ihnen die Seriennummern der Geräte. Das haben wir in der Vergangenheit schon so gemacht." Gleichzeitig werde Rumänien seine Fähigkeiten, Drohnen abzuschießen, verbessern.
Früher hatten wir öfter keine Lösung. Jetzt haben wir an drei Tagen in Folge Drohnen abgeschossen. Natürlich ist es keine Dauerlösung, dass ein Kampfjet, der mit mindestens 500 Kilometer pro Stunde fliegt, ein Ziel abschießen muss, das sich mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde bewegt. Das ist sehr aufwendig und komplex. Es stehen deshalb auch Flugabwehrsysteme am Boden zur Verfügung, die laufend verändert und angepasst werden.
Radu Miruta, rumänischer Interims-Verteidigungsminister
Der Aufwand ist tatsächlich ein Problem. Laut Schätzungen hat der Abschuss der drei Drohnen durch F-16-Kampfjets Rumänien rund anderthalb Millionen Euro gekostet. Die Drohnen sind laut Schätzungen etwa ein Zehntel des Geldes wert.
Eine weitere effiziente Lösung für die Zukunft wären deshalb Abfangdrohnen oder eine elektronische Drohnenabwehr durch das Verfälschen von GPS-Signalen oder das Blockieren von Funkfrequenzen.