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Waldbrände in Spanien: "Das wird alles brennen"

Autor: Hans-Günter Kellner, zzt. ARD-Studio Madrid Quelle: tagesschau.de
Feuerwehrleute umarmen sich nach den Planierarbeiten in Valdemaqueda zur Bekämpfung der Waldbrände, von denen die Provinzen Ávila und Madrid betroffen sind.

Reportage

Feuerwehrmann in Spanien "Meine Kindheit ist hier verbrannt"

Stand: 30.07.2026 • 10:11 Uhr

In diesem Jahr brennen in Spanien besonders große Waldflächen. Feuerwehrmann Ángel Malanda kämpfte selbst gegen die Flammen. Er beklagt fehlende Vorbeugung und die Pflanzenwahl vieler Hausbesitzer.

Die Sommer in Spanien werden immer heißer, die Waldbrände - so scheint es - immer größer. Mehr als 175.000 Hektar Wald sind in diesem Jahr in Spanien schon den Flammen zum Opfer gefallen. Das ist im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres sechs Mal mehr. Alleine in der zentralspanischen Provinz Ávila vernichtete das Feuer mehr als 50.000 Hektar Vegetation.

Das kleine kastilische Dorf Neila de San Miguel schmiegt sich etwa 200 Kilometer westlich von Madrid eng an die Ausläufer des Gredos-Gebirges. Vor elf Jahren kaufte sich Ángel Malanda hier mit seiner Partnerin Sole ein altes Haus aus Granit. Der Feuerwehrmann erzählt: "Die Säulen sind alte Wacholderstämme. Die Bäume brannten 2013 bei einem Waldbrand in Navas del Rey ab, wir haben sie bei der Renovierung hier eingebaut." Damals habe ein Polizist 20 Waldbrände in einer Woche gelegt. "So wurden diese Stämme Teil unseres Hauses."

Feuerwehrmann Angel Malanda kämpft gegen die Waldbrände Spanien. Aktuell hat er frei, um das erlebte zu verarbeiten.

Ein einzelner Funke reicht

Der 45-Jährige erzählt am Küchentisch von den Bränden in der Gegend. Es sei inzwischen 25 Jahre her, dass am Stausee von Picadas 500 Hektar Wald verbrannten, sagt er. Feuer sei Teil dieser Landschaft, aber von Bränden wie jetzt habe er noch nie gehört.

"Das übertrifft alles, was es hier in den vergangenen 50 oder auch 100 Jahren gegeben hat", sagt Malanda und schüttelt den Kopf. Er war selbst gegen das verheerende Feuer im Einsatz. "Es kam ein Windstoß und blies einen Funken hinter unsere Position ins Gebüsch. Es dauerte keine zwei Sekunden und Wumm - wie eine Explosion. Als hätte jemand Benzin ins Gebüsch gekippt. Wir waren 30 Leute, hatten vier Stunden lang gekämpft - und alles war zunichte gemacht. Da stehst Du plötzlich zwischen zwei Fronten und kannst nur noch fliehen."

Urlaub, um Erlebtes zu verarbeiten

Gerade hat er zwei Tage Pause. Malanda benötigt sie dringend, um die Erlebnisse zu verarbeiten. "Meine Kindheit ist hier verbrannt", beschreibt er die vergangenen Tage. Ihm steigen Tränen in die Augen.

"Ich war so etwas wie eine Ziege. Morgens bin ich aufs Fahrrad und rumgefahren. Ich war vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, nur zum Essen kam ich zurück. Später hab ich dann mit der Clique Fußball gespielt und bin hinterher zum Stausee. Dort lernte ich Schwimmen. Wir lebten nicht besonders komfortabel, die Dusche war ein Gartenschlauch. Aber ich war so glücklich wie eine Sau im Schlamm", erzählt Angel über seine Kindheit.

Brandschutz muss nicht radikal sein

Malanda zeigt den Kastanienwald, der an Neila de San Miguel angrenzt. Manche der Bäume sind weit mehr als 100 Jahre alt, andere hat er selbst gepflanzt. Der Weg dorthin führt durch gemähtes Gras, das ausgetrocknet am Boden liegt. So soll es sein, sagt Angel zufrieden.

"Wir sprechen von horizontaler oder vertikaler Kontinuität. Wenn wir die vertikale Kontinuität brechen, reicht das. Wenn es hier brennt, schlägst Du mit einer Feuerpatsche drauf und fertig. Wir brauchen keinen 50 Meter breiten, völlig kahlen Streifen um das Dorf. Wir können ein wenig Biodiversität stehen lassen und gleichzeitig effizient bei der Vermeidung des Feuers sein."

Ärger über die falsche Vegetation

Gärten in den der Siedlungen, die er vor den Bränden schützen sollte, machen ihn hingegen wütend. Vor allem stört er sich an den Arizona-Zypressen: "Ihr Holz enthält viel Harz, in der Hitze setzt sie flüchtige Gase frei. Das wird schnell zu einem Feuerball. Das wird alles brennen." Ausgerechnet diese Pflanze sei bei Hausbesitzern in Spanien besonders beliebt, weil sie einen dichten Sichtschutz bietet.

Brandvorbeugung ist in den Augen des Feuerwehrmanns angesichts heißen und trockenen Sommer immer wichtiger. Malanda beseitigt im Herbst und Winter Unterholz. Doch so richtig ernst nehme das Thema niemand, sagt: "Ich habe unter der Belegschaft eine Umfrage gestartet. Nur knapp ein Viertel von uns sind das ganze Jahr im Einsatz - also auch in der Brandvorbeugung." Ein Drittel etwa habe einen Vertrag für neun Monate, so wie Angel. Und für fast 38 Prozent endet der Vertrag mit der Waldbrandsaison am 12. Oktober. "Diese Leute stehen dann auf der Straße."

Malanda blickt auf die alten und jungen Kastanien über seinem Dorf und lächelt. Trotz der Gefahren und des ganzen Ärgers über nachlässige Hausbesitzer oder Behörden liebt er seinen Beruf: "Ich würde sofort wieder Feuerwehrmann werden - in der Brandvermeidung und der Brandbekämpfung. So wie ich auch hier Kastanien pflanze. Ich versuche damit, der Natur einen Teil davon zurückzugeben, was sie mir geschenkt hat."

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